Ich selbst wohne in unmittelbarer Nähe zur Mosel (Rheinland-Pfalz) und gehe oft dort spazieren, manchmal auch fotografiern und da sind Schwäne immer eine große Freude, wie sie so dahingleiten oder manchmal auch ihre mächtigen Schwingen ausbreiten und fliegen. Einmal habe ich bei uns auch einen getöteten Schwan gefunden. Er sah aus, als hätte man ihm den Hals umgedreht. Schrecklich. Diese Schießerei der Schwäne ist daher ein Thema, das mich sehr berührt.
Außer mir sind auch noch die Tierschützer im Dreiländereck zwischen Deutschland, Frankreich und Luxemburg empört, dass an der Obermosel, also direkt hier um die Ecke, deutsche Jäger (mal wieder!) vier Höckerschwäne geschossen haben. Hintergrund ist, dass die Population der Vögel dort auf knapp 100 Tiere gestiegen ist. Saarländische Bauern fürchten um ihre Ernte, da die Schwäne Triebe der Wintergerste abfressen.
Ganz anders halten es dagegen unsere luxemburgischen Nachbarn: Am Moselufer in Remich gelten die majestätischen Vögel als touristische Attraktion. Nun tobt ein heftiger Schwanen-Streit zwischen luxemburgischen Schwanliebhabern und deutschen Bauern. Mitte Januar wurden Schwäne von der deutschen Uferseite aus abgeschossen. Laut Aussage des saarländischen Umweltministeriums sei die Vorgehensweise legal gewesen, denn das deutsche Jagdrecht erlaube den Abschuss von Höckerschwänen vom 1. November bis zum 20. Februar. Erst danach beginne die Schonzeit für die Schwäne. Das Saarland ist anscheinend neben Bayern und Niedersachsen das einzige Bundesland, in dem Schwäne noch geschossen werden.
Die Association Luxembourgeoise pour la Protection des Animaux (ALPA) findet es hanebüchen, dass dort die Schwäne geschützt und dagegen auf deutscher Seite abgeschossen werden. Einige luxemburgische Gemeinden bemühen sich gerade, Ruhepole für die Schwanenkolonien einzurichten und haben wenig Verständnis dafür, dass dies nicht auch grenzüberschreitend möglich sein solle.
Die luxemburgische Satire-Zeitschrift »Feierkrop« sieht »63 Jahre nach Kriegsende« bei den »Teutonen« wieder »schwer bewaffnete Reichsjägermeister« am Werk und fragt sich, wie die Deutschen Schwäne töten können, die auf der luxemburgischen Moselseite (Anm.: auch von Deutschen) »liebevoll angelockt und gefüttert werden«.
Die Schüsse sind umso skandalöser, als es im Raum Trier eine Schwanenpflegestation gibt. Dort werden verletzte Tiere mit Liebe und Engagement gesund gepflegt. Seitens dieser Pflegestation wird vermutet, dass neben den jetzt bekannt gewordenen Fällen schon weitere Tiere getötet wurden. Dort ist man der Auffassung, die Schwanenkolonie an der Obermosel solle unter Schutz gestellt werden, um weitere Erschießungen zu verhindern und den Schwanenstreit beizulegen.
Der Landesverband Menschen für Tierrechte/Tierversuchsgegner Saar hat sich mit einer Mahnwache für ein Abschussverbot für Schwäne eingesetzt. Man solle die Ackerflächen an der Obermosel zurückgebauen und in Auen umwandeln. Schwäne benötigten ein Fressangebot und nähmen eben, was da sei. Auch hier geht man davon aus, dass heimlich schon viel mehr Tiere getötet wurden. Momentan würden nur noch 37 Schwäne gezählt.
Nach Erkenntnissen der Landwirtschaft seien dagegen schon bis zu 80 Schwäne gesehen worden, die alle in einem Feld sitzen und sich satt fressen und alles verdrecken würden . Ich persönlich habe noch nie Dreck durch die Schwäne wahrgenommen, höchsten hie und da mal eine Feder.
Bleibt noch anzumerken, dass es anscheinend nur vier betroffene Landwirte gibt.
Eine Einschränkung der Ackerflächen, wie die Tierschützer fordern, lehnen die Landwirte ab, da es an der Obermosel schon immer Landwirtschaft gegeben habe.
Da fragt man sich nur:
Wer war zuerst da – die Schwäne oder die Bauern?